Krankenhausareal und MVZ: Parlament muss umfassend informiert werden

vom

Mit großem Interesse hat die FDP/FWG-Fraktion die aktuellen Berichte zur Zukunft des ehemaligen Krankenhauses und zu den Planungen für ein neues Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zur Kenntnis genommen. In den Artikeln wird über konkrete Planungen für das neue MVZ mit bis zu zehn Arztpraxen sowie über eine zunehmende Vermietung des ehemaligen Krankenhausgebäudes berichtet. Die Stadtverwaltung geht inzwischen davon aus, dass das ehemalige Krankenhaus zu rund 60 Prozent vermietet ist. Weitere Flächen sollen folgen. Gleichzeitig wird die Frage eines Verkaufs des Gebäudes ausdrücklich offengelassen.

Aus Sicht der FDP/FWG-Fraktion ist diese Entwicklung bemerkenswert. Schließlich existiert ein gültiger Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, das ehemalige Krankenhaus zu veräußern. Ein solcher Beschluss kann nicht stillschweigend durch neue Überlegungen des Bürgermeisters in der HNA ersetzt werden. Das Parlament hat die Verantwortung, über die weitere Entwicklung zu entscheiden und politische Leitlinien vorzugeben.

Besonders kritisch sehen wir, dass die politischen Gremien über wesentliche Veränderungen offenbar zunächst durch die Berichterstattung in der Presse informiert werden. Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung erwarten wir eine frühzeitige und umfassende Information der gewählten Vertreterinnen und Vertreter.

Aus diesem Grund wird die FDP/FWG-Fraktion das Thema in der aktuellen Fragestunde der Stadtverordnetenversammlung aufgreifen.

Der Bürgermeister soll den aktuellen Stand der Planungen für das MVZ darlegen und erläutern, welche Perspektiven die Stadtverwaltung für das ehemalige Krankenhaus verfolgt. Das Parlament muss die Möglichkeit erhalten, die weiteren Schritte auf einer belastbaren Informationsgrundlage zu beraten.

Mit Sorge betrachten wir außerdem die zunehmende Vermietung des ehemaligen Krankenhausgebäudes. Jede zusätzliche Nutzung kann die Vermarktung der Immobilie erschweren und zu finanziellen Einbußen der Stadt führen.

Dies gilt insbesondere dann, wenn weitere Mietverhältnisse entstehen, z.B. die Bibelgemeinde. Deshalb muss transparent dargelegt werden, welche Auswirkungen die aktuellen und geplanten Nutzungen auf die Vermarktung der Immobilie haben.

Auch das nun vorgestellte Konzept des neuen MVZ wirft Fragen auf. Nach den Berichten soll das ursprünglich vorgesehene integrierte Modell nicht weiterverfolgt werden, als gemeinsame Elemente werden nur noch Gemeinschaftsflächen wie Sanitärbereiche genannt.

Aus Sicht der FDP/FWG-Fraktion hat dieses Konzept nur noch wenig mit den ursprünglichen Überlegungen zu einem integrierten Gesundheitszentrum zu tun. Der eigentliche Mehrwert eines solchen Zentrums liegt nicht in gemeinsam genutzten Räumen, sondern in einer inhaltlichen und organisatorischen Verzahnung der medizinischen Versorgung.

Gerade die Integration verschiedener Fachrichtungen ermöglicht eine bessere Abstimmung diagnostischer und therapeutischer Prozesse. Informationen können schneller ausgetauscht, Behandlungen besser koordiniert und die Versorgung der Patientinnen und Patienten insgesamt effizienter gestaltet werden.

Diese Vorteile entstehen jedoch nicht automatisch dadurch, dass mehrere Praxen in einem Gebäude untergebracht werden.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Sollte es bei einer Ansammlung einzelner Praxen ohne ein tatsächlich integriertes Versorgungskonzept bleiben, könnten sich auch Nachteile für die Innenstadtentwicklung ergeben. Werden Arztpraxen aus dem Stadtzentrum an einen neuen Standort verlagert, droht eine Schwächung der Innenstadt. Weniger Besucherinnen und Besucher bedeuten auch weniger Frequenz für Handel, Gastronomie und andere Dienstleistungen.

Die FDP/FWG-Fraktion ist davon überzeugt, dass die Zukunft des Krankenhausareals und die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung nur gemeinsam erfolgreich gestaltet werden können.

Wir stehen für eine sachliche und überparteiliche Zusammenarbeit ausdrücklich zur Verfügung und bieten allen Akteuren an einer tragfähigen und zukunftsorientierten Lösung zu arbeiten. Gemeinsam sollten wir die Chance nutzen, eine langfristig tragfähige Lösung für Melsungen zu entwickeln.